Gestern haben wir zum dritten Mal eine Party gefeiert ohne Alkohol. Das erste Mal vor einem Jahr war der Tatsache geschuldet, dass ich zwischen zwei Operationen und Behandlungen war und keinen Alkohol trinken wollte, um meinen Körper nicht zusätzlich zu belasten. Ich dachte mir, dass eine Party für mich nicht so toll ist, wenn alle andere Alkohol trinken außer mir. Deswegen habe ich sie kurzerhand alkoholfrei geplant. In den Einladungen habe ich es allerdings nicht erwähnt. Ich habe es einfach gemacht. Niemand hat sich beschwert. Es ist wahrscheinlich niemandem aufgefallen. Alle hatten Spaß und ich hatte eine schöne Zeit.
Im nächsten Jahr habe ich es dann genauso wieder gemacht, weil ich es als sehr angenehm empfunden habe. Eine Person hat nach einem Glas Wein gefragt. Ich habe geantwortet, dass es eine alkoholfreie Party ist und damit war das Thema erledigt. Keine weitere Diskussion oder Beschwerden. Im Gegenteil. Die Person hat sich entschuldigt, dass sie das nicht wusste und wir haben alle weiter gefeiert. Gestern gab es auch nur eine einzige Person, die nach Wein gefragt hat. Gleiches Szenario. Gleiche Antwort und keinerlei weiterer Dialog.
Ich mag diese alkoholfreien Parties. Ich bilde mir ein, dass die Gespräche besser sind und tiefer gehen. Lustig ist es allemal. Und wenn es jemandem nicht gefallen würde, dann würden sie nicht immer wieder kommen.
Einen kulturellen Unterschied haben wir aber festgestellt. Wir waren ein paar Mal zu privaten Feiern oder Geburtstagsparties in Estland eingeladen bei Esten. Und es gab jedes Mal ein Programm. Mit Kennenlernspielen oder anderen Aktivitäten. Einmal gab es einen Zeremonienmeister, der das durchgetaktete Programm begleitet hat und uns immer wieder zu den verschiedenen Aktivitäten aufgefordert hat. So etwas kannte ich vorher nur von Kindergeburtstagen. Aber nicht von Erwachsenen Parties. Deswegen war es auch nicht verwunderlich, dass eine Freundin gestern bei der Ankunft fragte: „Wie funktioniert das hier? Gibt es ein Programm?“