Ausschnitt aus einem Screenshot: Taz zahl ich. Für den Artikel "Arbeiten aus Urlaubsländern" möchte ich 5 Euro bezahlen. Kreditkarte Visa.

Für Journalismus bezahlen

Ich möchte sehr sehr gerne für Journalismus bezahlen. Ich weiß, das nicht alles gratis sein kann. Ich weiß, dass viel Arbeit hinter Werken steckt. Ich freue mich über Artikel zum Lesen. Ich bin Dankbar für neue Perspektiven und Sichtweisen. Ich sauge neue Informationen auf. Ich bin auch sehr dankbar für aktuelle Einordnungen bei Geschehnissen. Ich verschlinge auch jeden Tag etliche Artikel oder Videos oder Grafiken und Karten. Und ich würde gerne dafür etwas zahlen.

ABER

Jetzt kommt das große Aber: Es wird mir nicht leicht gemacht.

Ob ich mit meinen Daten zahle oder mit Reichweite oder mit Geld. Es ist nicht einfach. Nehmen wir die Daten. Leider ist es bei einigen – auch namhaften – Zeitungen so, dass ich am Anfang eine Erklärung erhalte, dass Journalismus ja was kosten muss und werbefinanziert ist und dass ich deswegen jetzt hier alle meine Daten spenden soll. Manchmal mache ich das. Manchmal denke ich, na ja dafür nicht. Allerdings ärgere ich mich inzwischen recht häufig, wenn ich trotz meiner Datenspende nur den ersten Absatz lesen darf. Für den Rest soll ich dann doch wieder irgendein bescheuertes Abo abschließen. Ob jetzt 4 Wochen gratis lesen (will ich ja gar nicht, ich will ja was geben) oder für nur X Euro. Zack weggeklickt. Beim nächsten Artikel dieser Zeitschrift überlege ich mir drei Mal, ob ich den anklicken soll. Ob ich wohl über den ersten Absatz weiter lesen kann?

Warum schließe ich kein solches Abo ab? Ganz einfach. Ich liebe die Vielfalt. Ich möchte, wenn mich ein Thema interessiert oder wenn es gerade sehr aktuell ist, möglichst viele Sichtweisen lesen und nicht nur kopierte Pressemeldungen. Ich möchte wissen, was die New York Times dazu sagt oder die Süddeutsche. Was der Guardian denkt oder der Hintertupfinger Anzeiger. Wenn ich jetzt ein oder zwei Abos abschließen würde, dann wäre ich mit diesen Blickwinkeln eingeschränkt. (Klar ich hab sich auch noch genug blinde Flecken und irgendwie vorgefertigte Meinungen) Und darüber hinaus, interessiert mich ein Großteil der Artikel in den Zeitungen dieser Welt so absolut überhaupt gar nicht, wie z.B. Sport. Geh mir weg! Warum soll ich dafür zahlen?

Ich hab mal für Spaß notiert, von welchen Medien Artikel lese. Ich hab ganz sicher noch etliche vergessen. Also seht es mir nach. Das waren:

  • Tagesspiegel
  • Frankfurter Allgemeine
  • Süddeutsche
  • The New York Times
  • Der Standard
  • Die Zeit
  • Falter
  • BrandEins
  • Krautreporter
  • Westfälische Nachrichten
  • Der Spiegel
  • taz
  • The Jerusalem Post
  • The Guardian
  • Washington Post
  • Die Welt
  • Meedia
  • Rheinische Post
  • El País
  • The Sidney Morning Herald
  • Südwestpresse
  • Neue Zürcher Zeitung
  • Stern
  • uvm

Klar reposte ich einen Artikel, wenn er gut ist. Und Reichweite ist sicher auch eine Art von Währung oder Bezahlung. Ich lese die Artikel auch in den allermeisten Fällen vorher und reposte nicht einfach blind den Link weiter. Aber mache ich das nicht, wenn der Artikel hinter eine Bezahlschranke ist oder nur ein Teil lesbar ist. Ich würde mir auch wünschen, dass mehr Leute Bezahlschranken kennzeichnen würden, wenn sie einen Link zu einem Artikel posten. Es ist nervig auf Links zu klicken und zu warten, bis sich der Browser öffnet, nur um dann zu sehen, dass ich den Artikel eh nicht lesen kann. Einfach doof.

Umso mehr freut es mich, dass es inzwischen Medien gibt, die verstanden haben, dass man auch mal was für einen einzelnen Artikel geben möchte. Die taz. Hier lasse ich gerne mal nen Euro in den digitalen Hut gleiten am Ende eines fundierten Artikels, bei dem ich wieder was gelernt oder was neues erfahren habe. Einfach toll. 50 Cent wären auch schon gut, wenn es viele Menschen machen würden. Wenn ich mich dabei ertappe, dass ich einige Artikel gelesen habe ohne einen kleinen Obulus zu hinterlassen, werfe ich auch mal 5 Euro ein.

Noch ein Aber

Aber neulich habe ich bei der taz 5 Euro für einen Artikel gegeben von unserem Firmenkonto aus. Und was passiert? Die Buchhaltung fragt nach einem Beleg. Wofür waren denn die 5 Euro? Bitte bitte liebe Medienschaffende, gebt mir einen Beleg! In meinem Fall war das echt mühsam. Ich hab zunächst auf Mastodon die taz angesprochen, wie man denn an einen Beleg kommen kann. Bis heute habe ich keine Reaktion darauf erhalte. Dann habe ich eine E-Mail geschrieben und nach einem Beleg gefragt. Es kam eine lange Mail zurück, dass leider keine Spendenbescheinigung, weil Gesetz und weil Blah und deswegen laut Paragraph und tut uns leid und vielleicht demnächst hier unterstützen. Tja. leider nicht meine Frage (Warum bekommt man heutzutage oft keine Antwort auf die Frage? Ist einen anderen Blogartikel wert) Ich hatte nunmal schon bezahlt, das Geld ist abgebucht worden. Die Buchhaltung braucht einen Beleg, eine Quittung, etwas Schriftliches. Keine Spendenquittung. Wer hat von einer Spendenquittung gesprochen? Unsere Firma darf auch mal was für Zeitschriften ausgeben. Ist hier kein Problem. Nur brauche ich kurz einen Wisch, dass ich 5 Euro für die taz gezahlt habe. Danke! Wiedersehen!

Meine erste Mail hab ich am 10. Februar geschrieben. Ihr ahnt es schon. Es gingen zwischen mir und dem taz-Team sage und schreibe 9 Mails hin und her. Bis hin zu der aberwitzigen, welche Adresse denn da drauf soll. Ähem, die in der Signatur. Zack wieder zwei Mails. 9 Mails und am Ende kam dann gestern von einer anderen Mitarbeiterin der Beleg und eine Mail der anderen Mitarbeiterin, dass die Mitarbeiterin in einer separaten Mail dann heute den Beleg geschickt hätte… Oh Mann!

Ja ich weiß, dass es Möglichkeiten gibt, die Bezahlschranken zu um gehen. Aber ich will doch zahlen. Macht es mir doch nicht so schwer, bitte. Lasst mich was geben und lasst mich kurz einen Beleg runter laden, bevor der Bezahlvorgang abgeschlossen ist und alle sind zufrieden.

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