Müll – wie gehen wir damit um?

Zur Zeit gibt es #fridayforFuture Demonstrationen überall in Deutschland und es ist schön zu sehen, wie viele junge Menschen da mit machen. 

Dieser Tweet hat mich darauf aufmerksam gemacht, einmal zu überlegen, wie man diese ungeheure Energie, die dabei entsteht, in Aktivitäten umwandeln kann. 

Ich habe dann angefangen nachzudenken und überlegt, was mir so im täglichen Leben auffällt. Zum Beispiel bin ich gerade hier in Spanien und spaziere jeden zweiten Tag den Strand entlang. Dabei sammele ich Müll auf, der auf meinem Weg liegt. Auf Neudeutsch heißt das Plaking. Das gibt es auch mit joggen dann heißt es Plogging.  

Vielleicht kann man ja diese Freitags-Demonstrationen irgendwie damit verbinden. Auf dem Weg Müll einsammeln.

Ich habe mich nämlich gefragt, wie sehen denn die Straßen nach diesen Demonstrationen aus? Sind sie genauso verschmutzt, wie nach einem Karnevalsumzug? Oder sehen sie so aus wie ein Festivalgelände? Wie Wacken nach der letzten Band? Liegt überall Müll herum? Oder lassen die Demonstranten sogar ihre Schilder und andere Sachen zurück?

Und da es sich hier um Jugendliche handelt, war dann die Frage: Wie gehen diese Jugendlichen generell mit Müll um?

Wie sieht das zum Beispiel das Schulgelände nach der großen Pause aus? Als ich noch zur Schule ging, gab es einen Schulhofdienst, der nach der großen Pause den herumliegenden Müll aufsammeln musste. Ist heutzutage der Schulhof blitzsauber wenn die große Pause vorbei ist? Oder im Alltag.

Wie handhaben wir das eigentlich mit dem persönlichen Müll?

Es gibt Leute,  die lassen da, wo sie stehen und gehen, einfach ihre Sachen liegen, zum Beispiel im Büro ihre halbvolle Kaffeetasse oder in der Wohnung ein halbvolles Glas oder den Pizzakarton von der gestrigen Bestellung. Warum ist das so? Denken diese Leute: ja das machen andere schon weg.  Oder ist es einfach Unkonzentriertheit oder Vergesslichkeit? Auch auf Barcamps sieht man das immer wieder, dass die Leute die Sessions verlassen und ihre Getränkeflasche, ihre Tasse, ihren Becher einfach da stehen lassen, anstatt den kurz wegzuräumen. 

Wer räumt eigentlich auf?

Natürlich wird man im Restaurant bedient und da gibt es Kellner, die hinter einem alles weg räumen. Aber muss das so sein? Unser Stammcafé hier in der Winterpause hat so eine Mischung aus Selbstbedienung und Bedienung.  Wenn man reinkommt, bestellt man an der Theke und setzt sich dann irgendwo hin. Und wenn man wieder rausgeht, nimmt man sein Glas oder seine Tasse mit und stellt es an die Theke. An der kommt man sowieso vorbei,  wenn man zum Ausgang möchte. Wir haben das bei anderen Gästen beobachtet und dann irgendwann selber mit übernommen, ohne dass es einer sagen musste. Es ist uns einfach so aufgefallen und vielleicht ist das der Weg: Einfach machen. Und dadurch Vorbild sein.

Vorbilder

Es gibt doch diesen Inder, der angefangen hat den Strand zu säubern. Er hat das am Anfang ganz alleine gemacht. Er hat niemanden darauf aufmerksam gemacht oder aufgefordert mitzumachen. Aber irgendwann haben die Leute ihn beobachtet und haben dann von selbst mitgemacht.  Vielleicht ist das ein Anfang, wenn wir jetzt alle mal probieren, auf unseren persönlichen Müll in unserer direkten Umgebung zu achten. 

Mülleimer – ja oder nein?

Wir erleben das jeden Tag, dass wir irgendwo hinkommen und da liegt Müll herum. Und oft fragen wir uns warum und wir diskutieren das auch. Die Meinungen sind gespalten. Es gibt Orte, die sagen: wir machen da keine Mülleimer hin. Denn wenn wir die Mülleimer aufstellen, dann werden die total vermüllt. Jetzt sagt ihr das ist ja komisch mit Mülleimer und vermüllt. Dafür sind die doch da. Aber es ist tatsächlich so, dass, wenn man einen kleinen Stadtmülleimer aufstellt für kleine Müllmengen, es dann Leute gibt,  die dort ihren Hausmüll entsorgen. Da findet man dann Mülltüten von zwei Wochen eines vierköpfigen Haushalts. Das ist natürlich nicht Sinn der Sache. Oder der Mülleimer ist voll, aber man möchte seinen Müll auch noch unbedingt hineinstopfen. 

Oder vielleicht seht Ihr oft viel Müll, um den Eimer herum. Das bedeutet nicht immer, dass man daneben geworfen hat. Vögel sind so schlau, dass sie in den Eimern nach eßbarem suchen. Und dabei zerpflücken sie alles. 

Rasthausbesitzer können ein Lied davon singen, dass viele Menschen ihren halben Haushalt auf der Raststätte entsorgen. Dabei sind die Mülleimer auf den Raststätten nur für die Müllmengen gedacht, die während der Reise entstehen also die Verpackung von dem Eis, was ich gegessen habe. Oder ein Kaffeebecher oder so etwas. Aber natürlich sind sie nicht dafür gedacht, dort seinen Sperrmüll zu entsorgen. 

Also Mülleimer ziehen Müll an. Ja das sollen sie eigentlich auch, aber es kommt eben auch auf die Menge an. Und dann gibt es Destinationen, die überhaupt gar keine Mülleimer aufstellen, weil sie sagen, dass dann die Umgebung nicht vermüllt wird. 

Fast Food = viel Müll

Was uns aber auch auffällt, wenn wir so durch die Gegend gehen, ist, dass ziemlich viele Menschen auf ihren Unternehmungen irgendetwas zu essen oder zu trinken mitnehmen. Also beim Bergsteigen habe ich im Rucksack etwas zu essen. Wenn ich abends ans Rheinufer gehe, um da zu sitzen, habe ich auch vielleicht eine Dose Bier mit dabei oder oder oder. Und was mich persönlich schon seit Jahren wundert: Die Leute schleppen die Sachen irgendwohin. Zum Beispiel stundenlang auf einen Berg hinauf und oben am Gipfelkreuz, wenn sie denn Pause machen, packen sie ihre Sachen aus und genießen ihre Mahlzeit. Und dann lassen sie tatsächlich den Müll, die Verpackung, den Apfelkitsch, das Taschentuch da liegen. 

Warum kann nicht etwas, was ich den Berg hinaufgeschleppt habe, nicht auch wieder mit runter schleppen?

Zumal es auch noch leichter ist, weil der Inhalt jetzt fehlt. 

Auch dazu habe ich mir kurz Gedanken gemacht: Das ist ja vielleicht so das die Leute die Sachen im Rucksack mit hinauf tragen. Und wer ganz vorbildlich ist, der hat auch keine Plastiktüte dabei. Ich habe also eine Flasche oder Dose und Apfel im Rucksack einfach so. Und natürlich, wenn ich die Reste von meiner Mahlzeit dann wieder in meinen Rucksack packe, habe ich ein Problem. Die Dose ist offen. Die Flasche ist offen. Der Apfel ist angebissen. Das bedeutet: in der Dose und der Flasche sind noch Reste. Wenn ich die jetzt einfach so wieder in den Rucksack packe, dann laufen diese natürlich aus. Und ich hab den ganzen Salat im Rucksack und es klebt und matscht. 

Das ist natürlich blöd.  Eine Plastiktüte mitzunehmen oder eine Mülltüte wäre hier eine Lösung, erzeugt aber auch gleich wieder Plastikmüll, den wir ja eigentlich heutzutage vermeiden wollen. Gibt es dafür eigentlich eine Lösung? Wenn nicht kann da mal jemand was erfinden? Also so eine Art Leinenbeutel, Müllbeutel, der Wasserfest ist, aber trotzdem waschbar. Gibt es so etwas? 

Festivals und Events

Bei Festivals wird auch alles versucht, um den Müll einzudämmen. Aber wer mal Berichte über Wacken und Co. gesehen hat, der weiß, dass die Leute einfach alles zurücklassen: Zelt, Luftmatratze, Schlafsack, Liegestuhl, Müll. Alles bleibt liegen. Man hat es versucht mit einer Art Kautionssystem zu lösen. Man bekommt am Anfang einen Müllbeutel und muss 20 € dafür bezahlen und am Schluss, wenn man den Müllbeutel voll abliefert, bekommt man die 20 € zurück. Anscheinend denken sich viele Leute aber: Scheiß auf die 20 €. Ich lass trotzdem mein ganzen Müll hier liegen und dann kann es jemand anders wegräumen. 

https://www.tonspion.de/news/festivals-alles-muell

Sind das die gleichen Leute, die jetzt auf die Straße gehen und für unsere Umwelt und unsere Erde demonstrieren? Oder sind es ganz andere Leute? Und können wir das irgendwie hinbekommen, dass wir in Zukunft (wieder) hinter uns  aufräumen? 

Müll aufheben

Ich habe ja schon oben dass Plaking oder Plogging erwähnt. Ich mache das hier zur Zeit am Strand. Immer wenn ich den Strand entlang gehen, habe ich eine Tüte dabei und sammle Müll auf. Klar manchmal denke ich mir auch, was mache ich da eigentlich. Muss ich hinter irgend jemandem her räumen, der seinen Müll einfach so in die Landschaft schmeißt. Und der lacht sich doch jetzt kaputt, dass ich herumlaufe und seinen Müll entsorge. Aber auch mir ist es schon passiert, dass ich versucht habe etwas auszupacken und es kam eine Windböe und hat mir die Verpackung aus der Hand geweht. Diese Verpackung, meine Verpackung, liegt jetzt also irgendwie in der Umwelt herum ohne dass ich das bewusst gemacht habe.

Also laufe ich jetzt den Strand entlang, und wenn ich etwas sehe, was unmittelbar von meinen Füßen liegt oder so 1 m rechts und links von meiner Strecke, dann hebe ich das auf. Und was soll ich sagen, es ist dann auch irgendwie hinterher ein gutes Gefühl, das man etwas getan hat. 

Vielleicht bekommen wir das ja hin, dass wir das alle machen und so die Welt ein kleines bisschen schöner, aufgeräumter, besser machen. 

Ein Problem, für das ich noch keine Lösung habe, sind Getränkebecher bei einem Konzert. Wenn ich in der Halle stehe und habe einen Plastikbecher in der Hand mit einem Getränk, ist dieser Becher irgendwann leer. Dann weiß ich nicht, wohin mit dem Plastikbecher. Viele Leute lassen den dann einfach fallen. Das kann ich nicht. Das bringe ich nicht übers Herz. Ich stecke diesen Becher dann in die Jackentasche. Dafür ist der Becher aber zu groß. Es ist eine 0,5 l Becher. Oder ich stell den dann zu meinen Füßen, versuche aber nicht drauf zu trampeln oder ich bringe ihn in den nächsten Mülleimer und gehe dann wieder an meinem Platz zurück. Das geht natürlich nicht, wenn ich in der ersten Reihe an der Bühne stehe. Da komme ich nie wieder hin. 

Bei einem Konzert haben viele Leute schon etwas getrunken. Einige sind sogar besoffen. Dann wird es wohl schwer mit dem Aufräumen.

Sind wir alle schon zu besoffen vom Leben?

Gibt es dafür eine Lösung? Können wir versuchen die Plastikbecher einfach in einander zu stecken und so einen 2 m hohen Plastikbecherturm zu bauen. Meinen Becher, deinen Becher, den vom Nachbarn, den vom linken Nachbarn, den vom Vordermann, den von der Hinterfrau? Oder gibt es da sogar schon andere Lösungen? Gibt es Veranstaltungen, die sich bemühen nachhaltig zu sein und irgendwie am Ende der Veranstaltung picobello sauber sind? Geht das überhaupt? Kann man das hinkriegen? 

Wer weiß was?

Wenn ihr irgendwelche Lösungen kennt oder von Bemühungen wisst oder Veranstaltungen besucht habt, bei denen das so war, dann hinterlasst mir doch einen Kommentar. 

Machen!

Okay: Was machen wir jetzt? Vorschlag: Schaut euch doch mal um. Da, wo ihr jetzt gerade seid. So in 1 m² um euch herum. Vielleicht liest du das jetzt im Büro oder liest es mobil irgendwo auf einer Parkbank oder am Strand oder in einem Coworkingspace oder keine Ahnung. Also schau dich mal um. Was gibt es da? Gibt es da etwas wegzuräumen? Liegt da ein Papierchen, was ihr wegwerfen könnt? Dann mach das doch einfach mal. Ja. Jetzt!

Und versucht mal Plaking oder Plogging. Übrigens leere ich meine Tüte immer nur aus und verwende sie weitere Male. 

Vielleicht können wir ja so die vorhandene Energie in Aktivität umsetzen.