Wann ist ein Barcamp ein Barcamp?

Barcamps Logos

Immer öfter gibt es Diskussionen, ob eine als Barcamp titulierte Veranstaltung wirklich ein Barcamp ist oder doch ein anderes Veranstaltungsformat nutzt. Ich selber habe das beim StARTcamp gefragt und eine Diskussion bei Robert Lender ausgelöst mit meinem Beitrag zum Bloggertreffen in Salzburg. Auch Jan Theofel – Mr. Barcamp in Deutschland – urteilt immer wieder über Veranstaltungen und bezeichnet sie treffsicher als Barcamp oder ‚andere Konferenz‘.

Deswegen habe ich mich gefragt, ab wann ist ein Barcamp ein Barcamp? Oder anders herum: Was braucht eine Veranstaltung, damit sie ein Barcamp ist?

– Sind es die Regeln?
– Ist es die Organisationsstruktur?
– Ist es der Preis?
– Ist es das Programm?
– Sind es die Teilnehmer?

Castlecamp Kaprun 2013 #cczk13
Castlecamp Kaprun 2013 #cczk13

Die Barcamp-Regeln

Es gibt davon acht, die bis heute immer wieder angeführt und oft zu Beginn eines Barcamps verlesen werden. Wieviele von den Regeln sind Muss-Anforderungen und wieviele Kann-Bestimmungen? Und ist eine davon, die Killer-Regel, die als einzige erfüllt sein muss, damit es überhaupt ein Barcamp ist?

Auch wenn auf den ersten Blick einige Regeln sich nicht direkt auf das Format zu beziehen scheinen, sind sie doch Teil der Barcamp-Bewegung. Nehmen wir die Regeln 1 und 2: You do talk/blog about Barcamps. Man könnte denken, dass sich diese Bestimmungen nicht wirklich auf die eigentliche Veranstaltung auswirken. Dennoch denke ich, dass sie ein wichtiger Teil sind. Es geht meiner Meinung nach nicht (allein) um das rein formelle äußere Format, also die äußeren Bedingungen.

Almcamp Barcamp

Die Haltung

Es geht um die Einstellung, um die Soft-Facts, um Attitude und Spirit. Und hier sind interessanterweise die Teilnehmer gefragt. Es ist keine Frage vom Orga-Team. Es geht nicht darum, wie das Orga-Team die Veranstaltung anlegt sondern es geht um die Gesamtheit der Teilnehmer. Jeder, der von einem Barcamp hört, und überlegt hinzugehen, ist aufgefordert, darüber zu reden und zu bloggen (oder heutzutage twittern, facebooken, elloen, tsuen, whatever…)

Ich selber habe für mich eine Killer-Bestimmung gehabt: Wenn es nicht gratis ist, ist es kein Barcamp. Aber das geht nicht weit genug. Inzwischen ist mir klar, dass der Knackpunkt ganz woanders liegt. Der Punkt ist für mich bei den Teilnehmern. Das war es wohl, was mich am StARTcamp Wien auch so gestört hat. Es lag nicht am Orgateam bzw. nicht allein. Mir fehlte die Grundhaltung, der Spirit bei den Teilnehmern.

Castlecamp Barcamp

Das Teilen

Mein Killer-Feature ist das TEILEN! Sebastian Dennerlein hat diese Woche einen Satz geprägt, der für mich das Phänomen Barcamp sehr gut darstellt:

„So lasst uns teilen unser Wissen über die Unkonferenz, die zum Wissen teilen geboren wurde!“

Das ist es: Die Unkonferenz, die zum Teilen geboren wurde.

Wer zu einem Barcamp geht, sollte sich klar darüber sein, was von ihm als Teilnehmer gefordert wird. Ja klar, es gibt die Regel, wo Neulinge eine Session halten müssen (Nr. 8). Diese Regel schreckt viele Leute ab, weil sie glauben, sie müssten sich auf eine Bühne stellen und vor x Leuten referieren. Aber das wäre zu banal. Jeder, ausnahmslos jeder, der ein Barcamp besucht, muss sich fragen, ob er wirklich und von ganzem Herzen bereit ist, sein Wissen – über welches Thema auch immer – zu teilen.

Die Touristen

Das betrifft auch eine andere Gruppe von Barcamp-Besuchern: Die Touristen. Diese Personen haben sich im Vorfeld keinerlei Gedanken gemacht, was ein Barcamp ist und was dort passiert. Und wer nur mal kurz vorbei schaut, am Nachmittag, wenn er vom Einkaufen gekommen ist und bevor er ins Schwimmbad geht, ist sicher nicht bereit, sein Wissen wirklich mit anderen Menschen zu teilen. Der will nur mal gucken. Auch dazu gibt es eine Regel (Nr. 6).

Natürlich gibt es auch diesen einen Satz, den man von einem Barcamp mitnimmt und der eventuell in Zukunft einen Riesenunterschied macht. Aber das ist wohl eher die Ausnahme und nicht die Regel.

Ich denke, es ist die Atmosphäre des Teilens. Die Bereitschaft, den anderen, dem ich auf dieser Veranstaltung begegne, an meinem Wissen teilhaben zu lassen.

Almcamp Barcamp

Wissen teilen

Und „an Wissen teilhaben lassen“ ist etwas anderes als Lehren, als einen Vortrag halten, als eine Verkaufspräsentation. Dazu sollte ich mal einen eigenen Blogpost schreiben. Es ist auch für mich nicht das Netzwerken oder das Kontakte knüpfen, so dass später eventuell Arbeistverhältnisse/Freundschaften/Geschäfte daraus resultieren. Das sind alles zugegebener Maßen positive Nebeneffekte.

Es geht um das offene Teilen. Ich habe schon Teilnehmer auf Barcamps erlebt, die tönten: „Ich kann euch sagen, wie das geht!“ Und dann meinten: „Dazu müsst Ihr in mein teures Seminar kommen!“ Solche Leute sind keine Barcamper. Auch manche Agenturen oder Unternehmer sind keine Barcamper, wenn sie verzweifelt versuchen, ihre Dienstleistungen (oder Kameras) an den Mann oder die Frau zu bringen.

Almcamp Barcamp

Der Wert

Auch bezahlte Keynote-Speaker sind keine Barcamper. Wenn eine Person in irgendeiner Weise dafür entlohnt wird, auf einem Barcamp zu reden, dann ist es nicht das Teilen, für das das Barcamp erfunden wurde. Auch wenn es eine Person gibt, die bekannt oder berühmt ist, und selbst wenn diese ohne Bezahlung auf ein Barcamp kommt und redet und sofort wieder geht, weil der Flieger erreicht werden muss, dann ist es für mich auch nicht das Teilen „für das das Barcamp geboren wurde“.

Auch voreingetragene Sessions oder Sessions, die jemand anders einträgt, weil „der XY kommt erst heute Nachmittag, aber der kann dann um 14 Uhr seine Session halten“, gehören für mich nicht auf ein Barcamp. Hier will vielleicht jemand seine Präsentation los werden, aber nicht Wissen teilen. Wer bei der Sessionplanung nicht dabei ist, hält keine Session.

Almcamp Barcamp

Die Organisation

Organisationsstruktur und Preis sind dann nur noch untergeordnete Punkte. Ich bin für die „no barriere of entrance“ und alle Barcamps, die einen Beitrag verlangen, sollten klar definieren und kommunizieren, wie Menschen, die es sich partout nicht leisten können, trotzdem teilnehmen können. Die Organisation richtet sich dann auch nach dem Teilen: Kein feststehendes Programm, keine voreingetragenen Sessions, und genügend Räume, so dass auch kleinste Gesprächsrunden – und haben sie nur fünf Teilnehmer – stattfinden können.

Castlecamp Barcamp

Fazit

Was ist es jetzt genau, was ein Barcamp zu einem Barcamp macht? Es sind die Teilnehmer, die ein Barcamp machen getreu nach dem Motto von Robert Lender: „Barcamp ist, was Du draus machst!“

Und hier sind wir als Barcamp-Organisatoren gefragt, es immer und immer wieder zu erklären und zu verdeutlichen, was ein Barcamp ist und ausmacht. Denn nur dann entsteht diese einmalige Atmosphäre von denen Barcamp-Neulinge später so schwärmen und für die wir Ur-Barcamper uns so leidenschaftlich einsetzen.

Jetzt bin ich gespannt auf Eure Meinung: Ab wann ist für Euch eine Veranstaltung ein Barcamp? Was ist Eure Bedingung? Euer ‚Must have‘?

Comments are closed.