Zu ‚Tanz in den Mai‘ fällt mir ganz viel ein aus meiner Vergangenheit. In meiner Jugend haben wir Mädels sehnsüchtig darauf gewartet, dass uns in dieser Nacht eine Birke vors Haus gestellt wird. Es war immer sehr aufregend zu sehen, wieviele Birken durch die Gegend getragen wurden. Manche Bäume wurden auch wieder geklaut oder ausgetauscht und durch andere ersetzt. Einmal standen gleich mehrere Bäume vor unserem Haus und meine Cousine, die im gleichen Haus wohnte, und ich, wir haben überlegt, wem welcher Baum gehörend könnte. Der Baum blieb den ganzen Mai stehen. In manchen Gegenden wird er am Ende des Monats von dem Verehrer ausgelöst zum Beispiel gegen einen Kasten Bier. Bei uns wurde er einfach abgebaut.
In der Kneipe, in der unser Chor probte, haben wir am Vortag einen riesigen Maibaum geschmückt und aufgestellt. Dafür braucht es einige Personen. Der Tanz in den Mai fand dann natürlich auch in dieser Wirtschaft statt. In der Nacht wurde auch die Maikönigin gekürt. Manchmal durch ein Losverfahren, aber auch, je nach Gegend, nach anderen Kriterien ausgewählt. Der Maikönigin zur Seite, wurde ein Maikäfer gestellt, wenn ich mich richtig erinnere. Das ist ja schon etwas länger her.
Auf den Dörfern wurden auch Maibäume errichtet und die Dorfjungend hat die ganze Nacht an einem Lagerfeuer gewacht, dass der Baum nicht geklaut wird oder abgesägt wird. Überall saßen Leute mit meistens alkoholischen Getränken an den Feuern und haben den Baum verteidigt. Es herrschten rauhe Sitten seinerzeit.
In der Nacht zum ersten Mai haben wir allerlei Schabernack veranstaltet und den Nachbarn Streiche gespielt. Ähnlich wie zum 1. April. Aber anders als den Leuten Lügengeschichten zu erzählen, waren die Streiche eher handfester. Wir haben an dem Feiertag oft unser Gartentörchen gesucht oder die Fußmatte von der Haustür. Auch Blumenkübel haben sich in der Nacht bewegt und sind ganz woanders aufgetaucht. Alles was nicht angeschraubt war, konnte verschwinden. Am Morgen des 1. Mai sind die Nachbarn alle suchend durch die Siedlung gezogen. Maikükschen haben wir das genannt.
Als wir in Österreich gewohnt haben, haben wir andere Bräuche rund um den 1. Mai kennen gelernt. Der riesige Maibaum, der auf dem Dorfplatz aufgestellt wurde, wurde zum Beispiel erklettert. Der schnellste Kletterer wurde geehrt. Und am Ende des Monats wurde der Maibaum versteigert und die Person, die ihn erhielt, hatte dadurch Brennholz für den Winter.