Über Krankheiten sprechen

Conten Warnung: Krankheit, Krebs

Ich habe einen sehr interessanten Artikel gelesen, ob man über Krankheiten sprechen soll.

Vor zwei Jahren bin ich mit Brustkrebs diagnostiziert worden und ich selber habe mich sehr früh entschieden, über meine Krankheit zu reden. Denn oft tendieren wir dazu, standardmäßig zu antworten, wenn uns jemand fragt, wie es geht und dann antworten wir einfach „Gut.“ Ich habe allen von meiner Diagnose erzählt und von den Problemen der Behandlung. Und das können viele Menschen vielleicht noch nachvollziehen, wenn man sich mitten in der Therapie befindet.

Aber was ist danach? Wenn die akute Phase mit Operationen und Bestrahlung vorbei ist?

In den Medien wird so getan, als ob Krebs, wenn er denn frühzeitig entdeckt wird, kein Problem mehr ist. Und viele denken, dann wird das rausgeschnitten und gut ist. Das Leben geht weiter wie vorher.

In meinem Fall ist das leider nicht so. Ja, ich wurde operiert, aber ich hatte anschließend auch Bestrahlungen. Prophylaktisch wie es hieß. Und das hört sich so positiv an. Aber es ist und bleibt eine Bestrahlung. Leider hat mir niemand vorher erzählt, was es da für Nebenwirkungen – und vor allem – für Langzeitfolgen gibt.

Das gleiche gilt für meine Narbe in der Achsel, wo mir einige Lymphknoten entnommen wurden. Auch hier hat mir niemand gesagt, was das für mich in Zukunft bedeutet.

Und mein Brustkrebs ist hormonabhängig. Das heißt, ich muss für fünf bis acht Jahre sogenannte Antihormone einnehmen. Die Nebenwirkungen davon sind Wahnsinn. So zumindest nannte es ein Arzt vom Krebsinformationsdienst neulich in einem Telefongespräch mit mir. Tausende von Frauen leiden darunter und sehr viele brechen leider die Behandlung ab, weil sie mit den Nebenwirkungen nicht zurecht kommen.

Ich habe zuletzt 17 Symptome für meine Onkologin aufgelistet unter denen ich Tag für Tag leide. Jedes Symptom für sich mag nicht so schlimm sein, aber alle zusammen sind kaum zu ertragen. Zum Teil habe ich gegen die Nebenwirkungen der Antihormone andere Medikamente bekommen, die aber auch wieder Nebenwirkungen haben. Ein Teufelskreis.

Kaum jemand redet über die Angst vor den Check-ups, die regelmäßig erfolgen. Die Wartezeit zwischen MRT oder Mammographie bis zur Mitteilung vom Ergebnis. Bei mir ist das ’nur‘ alle sechs Monate. Andere habe kürzere Abstände und müssen öfter zittern.

Die romantische Vorstellung von, man schneidet das raus und gut ist, trifft zumindest bei mir nicht zu. Und deswegen bin ich ebenfalls der Meinung, dass wir über Krankheiten reden sollten.

1 Gedanke zu „Über Krankheiten sprechen“

  1. Ich denke, es ist gut darüber zu sprechen. Für einen selbst (muss natürlich jede:r selbst entscheiden) und für andere. Es mag andere erinnern selbst vorzusorgen. Es mag auch manche:n im eigenen Krankheitsweg unterstützen, in dem man merkt nicht allein zu sein.
    An einer gut behandelten Krebspatientin in meiner Nähe merke ich, dass „danach“ manches anders ist. Die regelmäßigen Untersuchungen. Medikamente. Und der Gedanke im Hinterkopf, das der Krebs wiederkommen kann.
    Und dann ist das hier dein Blog. Da kannst du sowieso entscheiden, wie oft und wieviel du von deiner Erkrankung erzählen willst.

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