Wohnungseinweihung in Estland

„It’s totally crazy, but you should do it.“

Das waren die Worte der Beraterin zum Thema Interkulturelle Unterschiede, als wir sie fragten, ob man denn in Estland eine Wohnungseinweihung veranstaltet.

Wir waren gerade nach Estland gezogen, hatten eine schöne Wohnung gefunden in der Nähe der Altstadt und in unserem Haus gibt es noch 22 weitere Wohnungen. Und eigentlich kenne ich das nur so, dass man sich bei den Nachbarn vorstellt: „Hallo, wir sind die Neuen.“ und natürlich auch eine Einweihungsparty macht. Die Beraterin meinte, so etwas macht man nicht. Eventuell kommt die engste Familie mal in die neue Wohnung oder sehr gute Freunde. Aber da sie gesagt hat, wir sollten es tun, haben wir es auch gemacht. Schließlich waren wir auch ziemlich neugierig, wer denn so unsere Nachbarn sind.

Wir haben mit unseren eigenen Postkarten eine Einladung verfasst; natürlich handgeschrieben und sind dann von Tür zu Tür gegangen und haben geklopft. Fun fact: In Estland gibt es weder Namensschilder noch Türklingeln. Am Hauseingang wählt man die Wohnungsnummer. Die muss man also kennen. Und an der Wohnungstür gibt es auch nur die Wohnungsnummer. Sonst nichts.

Wir haben also geklopft und gehofft, dass jemand aufmacht. Dann haben wir uns vorgestellt, als die neuen Nachbarn und die Einladung überreicht. Einer fragte, ob wir dann jetzt miteinander reden müssen, wenn wir uns im Aufzug treffen.

Gekommen sind dann letztendlich alle. Sie waren wohl auch neugierig. Sehr witzig war dann noch, wie sich unsere Gäste gegenseitig fragten, in welcher Wohnung sie denn wohnen. Unsere Nachbarn unter uns haben so festgestellt, dass sie seit sieben Jahren Tür an Tür bzw. Balkon an Balkon wohnen. Sie haben sich erst auf unserer Party kennen gelernt.

Seitdem haben wir noch öfter Hausparties veranstaltet und unsere Nachbarn kommen zu unseren Geburtstagsfeiern. Und natürlich reden wir auch, wenn wir uns im Aufzug treffen. Ach ja. Unsere Wohnung ist die einzige mit Türklingel.

Und das ist in Estland wirklich ‚totally crazy‘.

2 Gedanken zu „Wohnungseinweihung in Estland“

  1. Liebe es. Manchmal braucht es eben nur Leute, die es „einfach machen“ und dann entsteht so etwas wie Gemeinschaft… Toll! Ich wohne in einem Haus, in dem man sich im Sommer spontan zum Grillen verabredet, jeder bringt etwas mit. Heute ist das ganz normal. Aber als ich eingezogen bin und einen Zettel im Hausflur aufhängte mit einer Einladung zum Einzugskaffeetrinken, da waren alle irritiert – und sind doch gekommen. Ich glaub, ich würde auch gern mal zu einer Party kommen, auf der du bist 🙂

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