Einfach machen?

Stephanie schreibt im Rahmen der Blognacht über das Thema „Einfach mal machen“ und ich habe gemerkt, dass das Thema mich gleich berührt.

Ich stimme ihr zu, dass wir diesen Satz oder diesen Vorschlag sehr oft zu hören bekommen und vielleicht hätte ich vor ein paar Jahren allen, die dies als Ratschlag erteilen, zugestimmt. Inzwischen denke ich etwas anders.

Diesen Spruch finde ich ableistisch. Er setzt voraus, dass wir alle alles können. Aber das stimmt nicht. Stephanie listet ein paar Dinge auf, darunter auch ein Unternehmen gründen. Einfach mal machen? Ist für viele Menschen gar nicht so einfach. Wer sich ein bisschen mit Bürokratie auskennt, weiß was ich meine. Außer Du wohnst in Estland. Da kannst Du in 15 Minuten eine voll funktionierende Firma vom heimischen Sofa aus gründen. Spaß beiseite. Kann natürlich auch nicht jeder. Ein paar Voraussetzungen braucht es schon.

Welche Voraussetzungen es in jedem einzelnen Fall sind, kann ganz unterschiedlich sein. Für mich ist seit einiger Zeit, einfach mal anrufen zum Teil ein Problem geworden. Es gibt Tage, da bin ich nicht in der Lage beim Notar anzurufen und zu fragen, ob mein Schreiben angekommen ist. Dann bitte ich meine Frau das zu tun. An anderen Tagen greife ich sofort zum Handy und rufe irgendwo an, um etwas zu klären.

Wer körperlich eingeschränkt ist, kann auch nicht einfach mal alles machen. Und einen Marathon kann niemand ohne entsprechende Vorbereitung einfach mal absolvieren. Für mich ist es nach meiner Erkrankung oft schwer, spazieren zu gehen, weil alles weh tut. Geh doch einfach mal ne Runde um den Block und dann fällt dir schon was ein, geht für mich oft nicht. Gehen ist dann eine Qual und jeder Schritt schmerzhaft. Oder meine Ärztin, die meinte, ich soll doch einfach mal Schwimmen gehen. Sie würde das gerne machen. Ihr würde das gut tun. Tja! Wieviele Dinge halten mich davon ab? Oder wie Stephanie fragen würde: Was sind die Hürden?

Klar stehen wir uns oft selbst im Weg und trauen uns nicht, etwas zu tun, was vielleicht sogar ein Traum oder ein Wunsch von uns ist. Wir überdenken alles tausend Mal und trauen uns nicht, wirklich ins Tun zu kommen. Dann kann natürlich der Satz: Mach doch einfach! gut sein. Aber – wie gesagt – denken wir vorher darüber nach, ob unser Gegenüber dazu wirklich in der Lage ist?

Im Flow Tageskalender habe ich vor ein paar Tagen eine passende Frage dazu gefunden: „Was würde ich tun, wenn die anderen nicht wären?“ Da sind dann nicht die Risiken angesprochen oder die Hürden sondern die Meinungen oder Erwartungen aus unserem Umfeld. Will ich das wirklich? Oder will das mein Gesprächspartner. Vielleicht ist die Person ungeduldig und möchte, dass ich etwas schnell umsetze. Dann kann so ein: ‚Mach doch einfach‘ auch das Ende einer leidigen Diskussion sein. Eine Aufforderung, das doch bitte jetzt wirklich mal zu tun.

Ich habe vor ein paar Tagen auch noch eine andere passende Sache gelesen. Wer Angst davor hat, zurückgewiesen zu werden, kann an der Rejection-Challenge teilnehmen. Man macht einfach mal. Bewirbt sich um die Stelle, meldet sich zu einem Modelwettbewerb an, nimmt an einem Casting teil, versucht, einen TED talk zu halten, kandidiert als Bürgermeisterin usw., nur um Ablehnungen zu sammeln. Es müssen ja nicht gleich 1000 sein, wie bei der Erfinderin der Challenge. 100 reichen auch.

Dann würde ich dem Satz zustimmen: Wenn du wirklich körperlich und mental dazu in der Lage bist, dann mach doch einfach mal!

6 Gedanken zu „Einfach machen?“

  1. Cool, dass du es gemacht hast und diese ergänzenden Gedanken auf Stephanies Artikel geschrieben hast. Der Ausgangs-Impuls war ja mal „warum eigentlich nicht?“, ich kam also von der anderen Seite. Aber so findet das Thema noch mehr Perspektiven – wunderbar! Absagen sammeln finde ich übrigens eine sehr interessante Challenge, das ist dann nämlich ein bisschen wie die Sache mit dem Schreiben, wenn es sich nicht geil anfühlt. Es wird normal und verliert seinen Schrecken. Eigentlich eine sehr gute Idee 🙂

    1. Die Absagen-Challenge interessiert mich sehr. Das hat dann hoffentlich einen Gewöhnungseffekt. Oder ich kann dann Absagen feiern anstatt total enttäuscht zu sein.

  2. Pingback: "Einfach" weglassen - Kaffeekochen war gestern

  3. Liebe Monika,

    danke für deinen Beitrag. Mein erster Entwurf war rein positiv, weil ich es liebe Dinge einfach mal zu machen.
    Der Impuls lautete je „Warum eigentlich nicht?“ und darauf gibt es eben auch klare Antworten.

    So kamen dann weitere Gedanken dazu, die du in deinem Beitrag vertiefend beleuchtest. Danke fürs Aufgreifen und deine wertvolle Perspektive, werde es jetzt bei mir noch verlinken. Vielleicht schreibt ja noch jemand etwas dazu.

    Liebe Grüße
    Stephanie

  4. Pingback: Self Care – Ein Reizthema – MoMe – Monika Meurer

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