Was für mich Retro ist, ist wahrscheinlich für jüngere Generationen etwas komplett Neues. So habe ich neulich Gummibärchen-Schmuck gesehen und mich daran erinnert, dass ich mir die Dinger in den 80ern überall angesteckt hatte. Die 80er waren sowieso so schön bunt. Gefühlt konnte jede anziehen, was sie wollte. Gefühlt gab es auch genug Auswahl. Wenn ich jetzt in die Klamottenläden gehe, gibt es dort immer nur Einheitsbrei. Deswegen bin ich dazu übergegangen, mehr – oder fast ausschließlich – second hand zu kaufen. Da gibt es viel retro oder was so aussieht. Einen weiteren Vorteil haben die alten Dinge auch noch: Sie halten länger. Die Haushaltsgeräte, die ich von meiner Mutter geerbt habe und die immer noch tadellos funktionieren sind ja schon einige Dekaden alt. Ich habe auch noch die Handtücher, in die ich als Baby gewickelt wurde. Die sind in einem besseren Zustand als die Handtücher, die ich vor drei Jahren gekauft habe. Außerdem ist da noch der Aspekt mit den unnützen Gimmicks.
Unsere Toilettenbrille wackelt und zum ersten Mal im Leben – und ich bin ja schon etwas älter – bin ich nicht in der Lage, den Sitz selber festzuzurren. Die gute alte Schraube mit Mutter gibt es nicht mehr. Die konnte ich – vielleicht nicht so ganz fest – anziehen. Gut, dann habe ich es halt öfter gemacht. Drunter gefasst, angedreht: Fertig! Inzwischen habe ich Montageanleitungen und Bedienungsanleitungen recherchiert und etliche Videos angeschaut. Natürlich ist unser Model nicht dabei. Ich habe Explosionszeichnungen mit x Teilen gesehen. Und ich bin immer noch nicht in der Lage, den Sitz wieder zu befestigen.
In dem Sinne bin ich voll retro. Ich hätte gerne ein paar Dinge zurück.