Früher in meinen Social Media Schulungen habe ich versucht, das unseren Kundinnen zu erklären. Den Restaurantbesitzerinnen und Caféleiterinnen, die sich dafür abgefeiert haben, dass sie ein Handyverbot haben, weil sich ja deren Gäste noch unterhalten. Allen, die sich darüber aufgeregt haben, dass ja alle nur noch in das Kästchen glotzen und gar nicht mehr kommunizieren. Und dass sie deswegen mit Social Media nix zu tun haben wollen. Das braucht ja kein Mensch und schon gar kein touristisches Unternehmen. So ein Blödsinn. Und dann habe ich ihnen erklärt:
„Am anderen Ende sitzt auch ein Mensch.“
Dass man eben mit anderen Menschen kommuniziert, wenn man da so in das Gerät schaut. Und dass das potentielle Gäste sein können. Was für eine Überraschung!
Das ist sehr lange her. Aber gilt das heute noch? Sitzt da wirklich ein Mensch, mit dem ich kommuniziere? Oder kommunizieren möchte? Schreibe oder spreche ich da mit einer AI oder KI oder einem Bot? Oder wenn es tatsächlich eine Person ist, ist es vielleicht doch ein Marketingmensch? Eine Influencerin? Oder eine virtuelle Assistentin, die mich dazu bringen soll, etwas bestimmtes zu tun; wahrscheinlich kaufen.
Oder ist es die Frage: kommunizieren sie überhaupt noch, oder konsumieren sie nur noch Inhalte ohne jegliche Interaktion, Tiefe und Bedeutung?
Auch das ist eine gute Frage: Findet überhaupt noch Austausch statt?
Ich glaub, das ist die falsche Frage. Es ist egal, ob es auch Bots lesen oder Menschen, die eine Absicht verfolgen. Wir schreiben einfach weiter für die, die Menschen sind. Lassen wir uns nicht anstecken vom Misstrauen der anderen, sondern schreiben weiter und erkennen: Wenn wir schreiben wie Menschen, dann werden auch weiterhin Menschen erreichen. Alles andere ist ein Nebenprodukt und passiert sowieso. Oder?
Es geht nicht darum, ob ich noch schreiben soll. Es geht darum, dass ich diesen Satz andauernd gepredigt habe. Und ich kann ihn heute nicht mehr guten Gewissens sagen.