Content Warnung: Körperliche Symptome
Start low – go slow. Diesen Satz hat mir ein Neurologe vor einiger Zeit mit der Hand auf ein Blatt Papier geschrieben und überreicht. Das Blatt hängt seitdem an meiner Pinwannd.
Und bis gestern dachte ich, ich hätte das verstanden und verinnerlicht. Andererseits schlugen bisher alle Versuche meinerseits, wieder körperlich fit zu werden, fehl. Weil ich mir nach kurzer Zeit immer wieder Verletzungen zuziehe und danach, wenn es schlimm läuft, wochenlang pausieren muss.
Ich habe schon vieles ausprobiert. Online Programme gekauft, youtube Videos, verschiedene Physiotherapeuten oder Personal Trainer… Der Ablauf ist immer der gleiche. Ich starte voller Hoffnung und voller Enthusiasmus und dann kommt die bittere Enttäuschung. Schmerzen hier, Schmerzen da. Nichts geht mehr.
Es gibt sogar ein Programm, was ich mir gekauft habe, das gleich verschiedene Level anbietet. Allerdings ist es wohl so, dass ich auch bei Level 1 viel zu viel mache. Nun kann das an unserer Leistungsgesellschaft und meiner Erziehung liegen. Seit meiner Kindheit heißt es:“Du musst dich nur genug anstrengen.“ Und meine Tanzkarriere mit einer klassischen Ballettlehrerin war wohl auch nicht hilfreich. Schließlich muss man da öfter über die Schmerzgrenze hinaus, um bestimmte Positionen zu erreichen. Yoga ist ja auch nichts für mich. Nach einer Einheit tut mir alles weh, weil ich verzweifelt versuche, die Trainerin nachzumachen. Perfektionismus lässt grüßen.
Gestern habe ich einen erneuten Versuch gewagt und mich mit einer Tänzerin getroffen, die auch somatische Körperarbeit macht. Wir habe lange geredet und ich möchte bei ihr anfangen. Sie meinte schließlich:
Okay. Dann starten wir mit 20%.
Und jetzt weiß ich, was low heißt.
Ich dachte, wenn ich etwas weniger mache – so 80% oder 70% dann ist das ‚low‘. Auf 20% wäre ich nie gekommen.
O man, ich kann das so gut verstehen! Ich habe vor einiger Zeit tatsächlich einen Anfänger-Laufkurs gemacht, weil nichts anderes klappte. Keine, und ich meine echt gar keine Verbesserung, keine Luft, keine Muskeln, einfach gar nichts. Und dann dachte ich: Okay, fang wieder bei minus 30 an, obwohl ich vorher längere Strecken gelaufen war. Und dieses ganz langsame hat mich völlig verrückt gemacht, ich war so ungeduldig und habe gar nicht gemerkt, wie schnell ich doch wieder schneller wollte. Gut, dass du jemanden an deiner Seite hast, dann ist das Langsame vielleicht besser umzusetzen.
Wenn ich es alleine mache, bin ich zu ehrgeizig. Ich tendiere dann sofort dazu, zu viel, zu schnell zu wollen. Und auf mich oder meinen Körper hören, kam in unserer Erziehung seinerzeit nicht vor. Das darf ich noch lernen.