Wann erzähle ich etwas?

Das ist der heutige Impuls der 28 Tage Content Challenge: Reflektiere, wann Du im Alltag etwas erzählst

Das ist eine sehr spannende Frage. Wie weit soll ich in der Vergangenheit zurück gehen? Wie ich aus der Schule komme und erzähle, was passiert ist? Oder wie ich einen Fortsetzungsroman über die Bay City Rollers in der Schule mit meiner Freundin Irmgard geschrieben habe und wir täglich unsere Kladden getauscht haben, um die neuesten Seiten zu lesen? Oder wie ich den Telefonhörer neben das Telefon gelegt habe, weil ein Anruf 20 Pfennig gekostet hat und ich deswegen nicht auflegen wollte. So konnte ich immer wieder das Gespräch aufnehmen und mit meiner Freundin weiter erzählen.

Oder wie ich stundenlang mit meiner Freundin telefoniert habe und wir dann beschlossen haben, uns in unserer Stammkneipe zu treffen und die Mutter meiner Freundin meinte:“Was wollt Ihr Euch denn jetzt noch erzählen? Ihr habt doch schon ewig gequatscht.“

Später als das erste Handy aufkam, waren SMS kostenlos und wir haben stundenlang geschrieben, anstatt uns einmal anzurufen. War ja gratis. Und dann gab es E-Mails. Da wurde das erlebte über dieses Medium erzählt. Allerdings musste man – wie bei den SMS auch – öfter mal Nachrichten löschen, bevor es wieder Platz für Neues gab. Nachlesen konnte man so nichts mehr.

Und dann der erste Blog. Jetzt wurde hier alles reingeschrieben, was vermeintlich teilenswert war. Man hat auch die Artikeln von anderen aufgenommen und dazu etwas geschrieben. Fast wie ein online Dialog. Oder man hat einen Kommentar geschrieben.

Als facebook und twitter aufkam, habe ich da meine Erlebnisse geteilt. Wieviele Posts kann man an einem Tag schreiben? Einmal habe ich Instagram an seine Grenzen gebracht und konnte nichts weiter posten.

Später wurde alles weniger. Keine Blogposts mehr, kein twitter. Instagram gelöscht. Die WhatsApp-Gruppen funktionieren auch nicht mehr so wie vorher. Mit vielen Leuten hat man keinen Kontakt mehr. Einige sind leider schon verstorben. Es wird ruhiger.

Seit Ende letzten Jahres bemühe ich mich, mich mit Leuten zu treffen. Auf einen Kaffee. So richtig. Real. Nicht virtuell. Und ich habe das Gefühl, dass die Personen sich freuen. Wir sitzen da und quatschen ewig über eine Tasse Kaffee. Und gehen sehr zufrieden nach Hause.

Das kann man zwar auch nicht mehr nachlesen, aber irgendwie bleibt trotzdem etwas. Eine Verbindung.

4 Gedanken zu „Wann erzähle ich etwas?“

  1. Eine Schöne Reise des Erzählens. Von Analog zu digital und zurück! Wie eine kleine Zeitreise. Mein Mann und ich haben lange eine Fernbeziehung geführt und dann immer viel telefoniert und uns vom Tag erzählt, Pläne gemacht, manchmal sogar zusammen eingeschlafen. Das hat unsere Verbindung gefestigt. Noch heute erzählen wir uns viel, am Telefon kommen dann die alten Erfahrungen und Gefühle zurück. Erzählen verbindet.

    1. Ach wie schön. Ich finde ja auch, dass sich analog und digital nicht ausschließt sondern ergänzt. Ich habe schon oft Leute persönlich getroffen, die ich ewig vorher nur digital gelesen habe. Das ist so schön.

  2. So herrlich, liebe Monika,
    eine Reise in die Vergangenheit um in der Gegenwart anzukommen und Worte, geschrieben oder gesprochen weben die Verbindungen weiter.
    Liebe Grüße von der Schreibfront #28TC 2026

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