Verschwundene Dinge

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Bei Museum & Social Web gibt es gerade eine Blogparade zum Thema: Verschwundene Dinge.

Beim Nachdenken, welche Dinge denn aus meinem Leben verschwunden sind, kamen mir zuerst die Sachen in den Sinn, die ich mit Gerüchen verbinde.

In der Grundschule roch es immer nach Bohnerwachs. Kennt Ihr noch Bohnerwachs. Selbst Jahre später als ich meine Grundschule noch mal besuchte, kam mir dieser Geruch in die Nase. Gleichzeitig mit dem Bohnerwachs ist wohl auch der dazugehörige Linolboden verschwunden…

Ebenfalls in der Grundschule, aber auch später am Gymnasium gab es Matritzen. Erinnert Ihr Euch, wie wir alle bei einem Test oder einer Klausur erst Mal an den Blättern geschnuppert haben. Wahrscheinlich wären sie heute verboten, weil alle Schüler high davon werden… Und sie waren so etwas besonderes. Wenn man selber ein Referat halten sollte, bekam man genau eine davon und wenn man sich arg verschrieben oder vertippt hat, dann musste man um eine neue betteln.

Beschrieben wurden diese Matritzen mit der Hand oder einer mechanischen Schreibmaschine. Mechanische Schreibmaschinen, diese Ungetüme mit Farbbändern (rot und schwarz), je nachdem wie hoch das Farbband eingestellt war, schrieb man eben rot oder schwarz. Und wenn man zu schnell war, verkanteten sich die kleinen Hebel mit den Buchstaben und man musste sie mit der Hand wieder auseinander machen und hat sich dabei die Finger schmutzig gemacht.

In der Schule gab es auch Kalktabletten für alle und Schulmilch. Wer besonders gut war im Unterricht, durfte die Schulmilch kurz vor der Pause beim Hausmeister abholen. Eine zweite Aufgabe für gute Schüler war auch ‚Karten holen‘. Diese mehr oder weniger großen Ungetüme wurden an Halterungen geklemmt und wie Leinwände ausgerollt und im Geschichts- oder Erdkundeunterricht eingesetzt.

In meiner beruflichen Laufbahn habe ich viele Entwicklungen durch gemacht. Meine ersten Schreibversuche waren auf einer mechanischen Schreibmaschine. In meiner Ausbildung gab es dann schon eine Kugelkopf-Maschine. Und Tipp-Ex. Jede Menge Tipp-Ex. Und dann kam die Revolution: Eine Schreibmaschine mit einem Minidisplay und einem Mini-Speicher von ein paar Buchstaben. Immerhin konnte man seine Fehler, wenn man sie denn sofort bemerkt hat, noch ausbessern. Neulich habe ich eine Diskette gefunden. Sie ist noch gar nicht so alt, aber ich habe schon kein Gerät mehr, um sie lesen zu können.

Das gleiche gilt für jede Menge Mitschnitte von Auftritten von mir, die ich mir nicht anschauen kann, weil das dazugehörige Gerät fehlt… (Hi8, VHS, …)

Dann kam aber die Schreibmaschine mit Floppy-Disk. Jetzt konnte man ganze Briefe noch mal ausdrucken. Was auch zu dem Phänomen führte, dass die Briefe und Protokolle X-Mal korrigiert wurden. Davor gingen sie mit ein/zwei Tipp-Ex-Punkten doch in die Post.

Und dann kam – tadaa – ein Computer. Dazu wurden extra Spiele mit ausgeliefert, damit man sich mit der Maus anfreunden konnte. Und wir durften quasi währen der Arbeitszeit spielen …

Es gab auch noch Teletext mit Lochstreifen. Diese lustigen Streifen mussten natürlich akribisch aufbewahrt werden. Kann sich heute wahrscheinlich kaum noch jemand vorstellen.

Und ich habe noch Steno gelernt. In Deutsch und Englisch. Hat mir bei meinem Studium große Dienste geleistet. Mitschriften der Vorlesungen und Seminare waren absolut kein Problem.

Das war jetzt quasi alles Ausbildung und Beruf.

Im privaten Bereich sind es natürlich, Plattenspieler, Cassettenrekorder und Erinnerungen an Getränke und Snacks: Sunkist in der pyramidenförmigen Verpackung, Tri-top, und Quench in diesen quietschebunten Farben. Heute verboten! Und die ersten Milchtüten. Es waren Plastikfolienbeutel, die man in einen Plastikbecher stellen musste. Vorher haben wir die Milch im Laden mit Milchkannen geholt. Und dann kamen die Tetrapaks, die niemand aufbekam und man hat alles beschlabbert.

Raider hat mich übrigens noch lange begleitet, weil ich nach Finnland ausgewandert bin und dort hieß es immer noch so…

So, jetzt habe ich aber genug in der Vergangenheit geschwelgt, jetzt geht es wieder zurück in die Gegenwart.

Danke für diese schöne Blogparaden-Idee!